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„Histoire“-Momente zur Eröffnung

08. April 2018

Bei der dritten Ausgabe der :alpenarte sollte nach Mario Häring (Frühjahr 2017) und Yury Revich (Herbst 2017) nun Petrit Çeku in die Fußstapfen eines „Intendant in Residence“ treten. Mit dieser breit gefächerten Aufgabe konnte der kosovarische Gitarrist bereits beim Eröffnungskonzert sein Geschick unter Beweis stellen.

Hierbei kam das Publikum in den Genuss eines, aufgrund seiner komplementären Reihenfolge an Werken, abwechslungsreichen Abends. Es wirkte wie ein Wiedersehen mit vertrauten Wegbegleitern vergangener Zeiten. Anstelle eines verbalen Gesprächs bei einem Kaffee traf man sich derweil auf der prestigeträchtigen Bühne des Angelika-Kauffmann-Saals in Schwarzenberg/Bregenzerwald zum Austausch über die guten alten Zeiten; einerseits in der Dramaturgie des Programms, andererseits mit einer spürbar persönlichen Note.

Immer wieder kehrte Petrit Çeku, ob solistisch oder im Duo mit Sebastian Manz (Klarinette) und Rosanne Philippens (Violine), zum argentinischen Komponisten Ástor Piazzolla zurück. Somit bot er dem Publikum mit der „Histoire du Tango“ über den ganzen Abend hinweg einen Streifzug durch die Geschichte des Tangos – sprich, ein Crashkurs der Musikgeschichte mit erlebbarer Tiefsinnigkeit.

Doch auch das quadratisch-praktische Sprichwort „Geht nicht, gibt’s nicht“ wurde mit diversen Arrangements, unter anderem von Petrit Çeku und Sebastian Manz, mit starker Bleistiftmine unterstrichen. Warum nicht einmal ein impressionistisches Klavierwerk von Maurice Ravel für Streichquartett und Gitarre oder ein Streichquartett für Gitarre und Violoncello arrangieren – hier wurde klar musikalische Risikofreudigkeit mit dem notwendigen Knowhow bewiesen. Mit ebenso experimentierfreudigen und versierten Musiker/-innen wie Sara Domjanić und Tetiana Lutsyk (Violine), Isidora Timotijević (Viola), Marie Spaemann (Violoncello) sowie Petrit Çekus langjährigen Triopartnern Pedro Ribeiro Rodrigues und Tomislav Vukšić an den Gitarren wusste der jetzige „Intendant in Residence“ sich in bester Gesellschaft.

Noch vor dem ersten Akkord wurde es jedoch schon erstmalig im nahezu vollen Saal historisch. Der Zepter eines „Intendant in Residence“ wurde bereits an ausgewählte junge und hochbegabte Musiker/-innen, für die ersten sechs Editionen der :alpenarte an hervorstechende Stipendiat/-innen der Internationalen Musikakademie in Liechtenstein, im Sinne einer breit aufgestellten Ausbildung übergeben. Nun auch jener an einen jungen künstlerischen Leiter, nachdem sich beim Festival ein erstes Fundament gebildet hat. Sebastian Manz, Soloklarinettist beim SWR Symphonieorchester und über die Grenzen hinaus ein gefragter Solist und Kammermusiker, durfte bereits bei der Frühjahrsedition die Aufgaben und Pflichten eines künstlerischen Leiters kennenlernen und übernehmen.

Mit diesem bedeutenden Moment übergab der bisherige künstlerische Leiter des Festivals, Drazen Domjanić, seine Position an einen vielseitig einsetzbaren und jungen Künstler – ganz im Sinne der :alpenarte.

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